In unserem dritten ISE Trendsblog geht es um die Entwicklungen bei Wireless Presentation-Systemen und Image Processing.

In unserem Videoportal finden Sie Video-Interviews mit den Herstellern. Darin stellen wir Ihnen die herausragenden Lösungen der ISE 2019 vor.

Wireless Presentation – Differenzierung statt Funktions-Overload

Beim Thema kabellose Präsentationssysteme gab es in diesem Jahr auf der ISE nur wenige Meilensteine zu sehen. Aber man konnte Weiterentwicklungen bestehender Systeme und ein paar interessante Neuheiten finden. Insgesamt merkt man, dass die Hersteller neue Strategien einschlagen. Während in den vergangenen Jahren immer neue Features in die Produkte integriert wurden, setzten die Hersteller dieses Jahr eher auf Differenzierung durch Spezialisierung auf einzelne Use-Cases.

Was war neu?

  • Die Übertragung von 4K/60 Hz fand man fast gar nicht auf der Messe. Obwohl viele Hersteller in diese Richtung entwickeln, ist noch kaum einer soweit. Einzig bei dem kanadischen Hersteller NorthVision konnten wir ein Wireless-Übertragungssystem finden, das mit Hilfe eines Dongles 4K mit 30 Hz und 4:4:4-Farbtiefe übertragen kann. Um die nötige Bandbreite zu erhalten, nutzt diese Lösung dafür ein 60 GHz-Übertragungsformat.
  • Zwar war das Thema 4K trotzdem in aller Munde, allerdings hatten die meisten Hersteller nur 4K-fähige Ausgänge im Angebot. Hier heißt es aufpassen, denn 4K ist nicht gleich 4K. Der Wireless-Stream läuft hier dennoch häufig „nur“ mit einer FullHD-Auflösung. Einige Hersteller konnten mit ihren Systemen aber zumindest vier FullHD-Streams zu einem 4K-Stream zusammenfassen.
    Bei den Übertragungsformaten gab es ebenfalls wenig Weiterentwicklung. Auf Airplay 2 und was damit möglich ist warten wir weiterhin hoffnungsvoll. Der bekannte Standard Microsoft Wireless Display, besser bekannt unter dem Namen Miracast, erfreut sich hingegen immer größerer Beliebtheit aufgrund der nativen Integration in Windows 10. Selbst Barco schlägt mit seinem neuen CS-100 Huddle nun diesen Weg ein, auch wenn er zur Messe erst als Demo zu sehen war.
  • Ein weiteres Thema, ist die Rollout-Fähigkeit vieler Lösungen. Nicht jeder Corporate-Nutzer will gleich High End-Lösungen mit entsprechendem Preis nutzen. So gab es mehrere Hersteller, die Einsteiger-Produkte im unteren bis mittleren Preissegment vorgestellt haben. Diese Lösungen machen nicht viel mehr, als die HDMI-Kabel im Meetingraum zu ersetzen. Für viele Use-Cases, besonders in kleineren Räumen, ist das aber vollkommen ausreichend. Ein Manko bei vielen dieser Anbieter war jedoch die Rollout-Fähigkeit und Managebarkeit. So war es nur bei einer Lösung in diesem Segment möglich, Konfigurationen zentral mit einem Mausklick auf alle angeschlossenen Geräte zu verteilen. Bei den anderen Produkten musste jedes Gerät einzeln konfiguriert werden. Spätestens wenn mehr als zehn Geräte im Einsatz sind, wird das Management zu einer Sisyphusarbeit.

Spezialisierung auf einzelne Use-Cases

  • In den vergangenen Jahren haben viele Hersteller darauf gesetzt, ihre Produkte mit möglichst vielen Features und Funktionen auszustatten. Daraus resultierten aufgeblasene Produkte, mit Features, die wenig genutzt wurden und deren Bedienung eine Herausforderung war. Auf dieser ISE schlugen die Hersteller nun einen anderen Weg ein. Sie haben eher versucht, sich auf bestimmte Use-Cases zu konzentrieren, dadurch bewusst auf unnötige Features zu verzichten und sich so von der Konkurrenz abzuheben.
  • Selbst Hersteller mächtiger All-In-One-Systeme wie Wolfvision scheinen sich mehr auf das zu konzentrieren, was sie gut können und was eine Differenzierung zu den vielen anderen Lösungen schafft: So haben sie mit ihrem Einsteiger-Produkt „Cynap Pure“ eine günstige Lösung vorgestellt, die sich auf einen Anwendungsfall aus dem Portfolio des viel größeren Bruders Cynap konzentriert: Natives Präsentieren ohne Apps und Dongles.
  • Huddle Room Technology (HRT) präsentierte mit HuddleHub eine Lösung speziell für kleinere Addhoc-Huddle-Situationen. Damit können Inhalte direkt auf die Devices von Kollegen gestreamt werden, sodass kein Display mehr benötigt wird. Auf diese Weise lässt sich jeder Ort in einem Unternehmen zu einem kleinen Huddle-Space machen. Das nur als Beispiele, von denen es noch viel mehr auf der Messe gegeben hat.

Empfehlungen der macom Experten:

  • „Es ist mehr denn je nötig, bei der Auswahl einer Wireless Presentation-Lösung genau auf die eigenen Use-Cases und deren Anforderungen zu achten. Die Hersteller beginnen, sich mit Ihren Produkten auf bestimmte Use-Cases zu spezialisieren. Wird das nicht bedacht, kauft man im schlimmsten Fall Geräte, die für die eigenen Anforderungen nicht geeignet sind. Gleichzeitig steigt die Zahl der Anbieter weiter an und der Markt wird immer unübersichtlicher. Das sinnvolle Vorgehen ist hier, zunächst alle Anforderungen der Stakeholder zu erfassen. Im zweiten Stepp müssen diese dann mit den auf dem Markt befindlichen Lösungen abgeglichen und deren Zukunftsfähigkeit bewertet werden. Wir macom Experten haben dafür den SCOPE-Prozess entwickelt. Als Ziel erhalten Sie genau definierte und zukunftsfähige Lösungen, die in Ihre Arbeitswelten eingeplant werden können.“

Florin Schwarz, Consultant Collaboration & Methods sowie Experte für Wireless Presentation bei der macom Gruppe

Image Processing: Kein Quantensprung – aber interessante Weiterentwicklungen

Insgesamt gab es auf der diesjährigen ISE auch beim Thema Image Processing nicht den „großen Wurf“ zu sehen. Zwar hat Analogway mit seinem neuen Flagschiff (Aquilion) die derzeit leistungsfähigste Maschine auf dem Markt entwickelt, bewegt sich aber auch hier in der gleichen Größenordnung wie die Konkurrenz. Interessante Weiterentwicklungen gab es bei den PC-basierten Prozessoren. Auch das Video-over-IP-Protokol NDI von Newtek verspricht für die nähere Zukunft interessante Möglichkeiten.

Was war neu:

  • Leistungsfähigkeit: Hier hat Analogway derzeit die Nase vorne. Sie präsentierten auf der ISE ihren neuen Highend-Prozessor Aquilion, der bis zu 3x 8K in voller Farbtiefe bei 60Hz ausgeben kann. Zudem ist der Prozesser über interne Verbindungen erweiterbar. Allerdings war dies kein wirklicher Quantensprung, sondern erwartbar. Barco und Christie hatten in den vergangenen Jahren die aktuellen Generationen ihrer Highend-Prozessoren vorgestellt. Dieses Jahr war es bei Analogway so weit. Für den Event-Bereich mag hier aber die Nachricht interessant sein, dass die Lang AG für ihren Vermietpark mehrere der Aquilion-Prozessoren geordert hat.
  • HDR: Im Grundsatz unterstützen die meisten Hersteller in der Zwischenzeit HDR. Allerdings handelt es sich hier meist um HLG und HDR10. In der Regel ist das vollkommen ausreichend. Bei Anwendungen mit speziellen Anforderungen an die Darstellungsqualität bzw. für hochwertige Filmwiedergabe sollte das aber im Einzelfall geprüft werden. Interessant ist, dass Barco bereits jetzt umfangreiche Fähigkeiten zum HDR-Management bietet. Diese werden noch weiter ausgebaut. Dazu gehört auch HDR-Downconversion, um auch nicht-HDR-fähige Geräte hochwertig mit anbinden zu können.
  • Im Bereich AVoverIP gab es mit dem Video-over-IP-Protokoll Network Device Interface (NDI) von Newtek ein System zu sehen, das sich auch mehr und mehr in der AV-Branche etabliert. Das Protokoll kommt ursprünglich aus dem professionellen Broadcast Bereich. Newtek stellt entsprechende Treiber und Software zur Verfügung, mit der man von jedem PC/Mac etc. einen NDI-Stream des Bildschirminhalts direkt über das Netzwerk streamen kann. Für den Empfang von NDI-Streams stellt Newtek an interessierte Hersteller ein SDK zur Verfügung, so dass sie NDI-Support in ihre Applikation einbauen können. Gleichzeitig gibt es Toolkits, um auch Hardware für Encoding/Decoding entwickeln zu können (SDI/HDMI-Wandler und -Kameras sind von mehreren Herstellern verfügbar). Newtek bietet so ein umfangreiches Ökosystem, ähnlich der Strategie, wie sie Audinate mit Dante fährt. Interessant war, dass auf der ISE das NDI-Logo bei immer mehr Herstellern präsent war, darunter: Panasonic, Three10, Ventuz, Dataton, Deltacast, Livestream, Lumens, Marshall, Matrox, JVC, Panopto, RossVideo, Magewell, Adobe, Avid, Microsoft, VLC, FFMPEG.

PC-basierte Image-Prozessoren mit neuen Features

  • Bei den PC-basierten Systemen gab es einige Fortschritte. Zwar werden sie auch in der absehbaren Zukunft noch nicht so leistungsfähig sein, wie die großen Hardware-basierten Systeme, aber dafür haben sie andere Vorteile. In vielen Anwendungen, in denen der Fokus auf dem flexiblen Darstellen von Content aus unterschiedlichen Quellen auf mehreren Endgeräten, die Content-Skalierung und dem Switching liegt, sind sie aber die bessere Wahl. PC-basierte Systeme sind hier sehr viel flexibler in Bezug auf die Eingänge und den darstellbaren Content (Dokumente, Webcontent, IP-Streams usw.). Zudem ermöglichen sie intuitivere User-Interfaces. In größeren Anwendungen kann auch die Kombination aus PC-basierten und Hardware-basierten Prozessoren die optimale Lösung sein.
  • Interessant bei den PC-basierten Prozessoren ist, dass sie es in der Zwischenzeit ermöglichen, Quellen beispielsweise über Toucheingaben oder Tastatur- und Mauseingaben fernzusteuern. Dies funktioniert sowohl über entsprechende Hardware, die USB-Befehle emuliert, als auch netzwerkbasiert beispielsweise mit NDI. Das bietet viele Vorteile für den Betrieb und ermöglicht vollkommen neue Bedienkonzepte.

Empfehlung der macom Experten

  • „Die Vielfalt der Systeme wird nicht geringer. Zudem sind je nach Use-Case die Unterschiede bei Preis und Leistungsfähigkeit sowie die Stärken und Schwächen von Hardware- und PC-basierten Prozessoren zu beachten. Nicht immer ist stärker gleich besser. Hier empfehlen wir bei der Auswahl, zunächst die Anforderungen zu erfassen. Diese entscheiden, welche der Lösungen am flexibelsten, zukunftssichersten, stabilsten – kurzum am sinnvollsten für die Anwendung ist. Eine kompetente Beratung kann hier sicherstellen, dass wirklich alle Anforderungen von Stakeholder und Use-Cases erfasst werden. Erst dann sollte man darangehen, technische Lösungen zu evaluieren.“

Gregor von Ungern-Sternberg, AV-Senior Consultant und Image Processing-Experte der macom Gruppe.

Was waren die interessanten Lösungen auf der ISE 2019? Wir zeigen es Ihnen in unseren Video-Interviews.

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Das war unser letzter Blog-Beitrag über die ISE-Trends 2019. Wir hoffen, sie konnten daraus relevante Informationen für Ihre Projekte ziehen. Wir werden alle Themen auch in einem Whitepaper zusammenfassen. Das werden sie ab kommender Woche auf unserer Website finden.

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Ihr Martin C. Wagner
Marketing Leiter der macom Gruppe

Als macom Fachexperten waren für Sie auf der ISE 2019:

Florin Schwarz, Consultant Collaboration & Methods sowie Experte für Wireless Presentation bei der macom Gruppe
Gregor von Ungern-Sternberg, AV-Senior Consultant und Image Processing-Experte der macom Gruppe.

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