In unserem zweiten ISE Trendsblog geht es um die Entwicklungen bei interaktiven Lösungen und das Thema Visual Collaboration.

In unserem Videoportal finden Sie Video-Interviews mit den Herstellern. Darin stellen wir Ihnen die herausragenden Lösungen der ISE 2019 vor.

Interaktive Lösungen: Entwicklungen und Herausforderungen Seite an Seite

Während die diesjährige ISE bei interaktiven Displays zahlreiche Weiterentwicklungen gezeigt hat, stagnierte es beim Thema interaktive Ultra-Nahdistanz-Projektionen. Besonders bei den interaktiven Displays gibt es heute eine Vielfalt an Lösungen, die die Auswahl erschwert. Denn Touch ist nicht gleich Touch.

Was war neu:

  • Bei den interaktiven Displays gab es interessante Weiterentwicklungen. So kann in der Zwischenzeit bei den meisten Touch-Technologien zwischen Finger- und Stifteingabe unterschieden werden. Immer mehr Hersteller kombinieren ihre projiziert-kapazitive Touchsysteme (PCAP) mit aktiven Stiften, um so die Unterscheidung zwischen Finger- und Stifteingabe zu ermöglichen. Auch Infrarot-Touchrahmen können nun zwischen Stift- und Fingereingaben unterscheiden. Zudem können sie Stifte und Objekte aufgrund von Farben und Aufdruck erkennen. Zwar wird bei Einzeldisplays aufgrund der Größe des Touchrahmens eher auf andere Lösungen gesetzt, durch diese neuen Features wird aber Infrarot-Touch wieder für Powerwalls interessant. Flatfrog konnte seine Markstellung mit seiner InGlass-Technologie weiter ausbauen. So ziemlich jeder namhafte Hersteller verbaut nun diese Technologie.
  • Interessant ist die neue In-Cell-Touchtechnologie, die LG in einem 86‘‘ Display vorgestellt hat. Diese Technologie wird auch im neuen Microsoft Surface Hub 2 eingesetzt. Dank der flachen Bauweise finden wir sie auch schon seit einiger Zeit in Smartphones. Kombiniert mit aktiven Stiften und Druckstärkenerkennung bietet sie zahlreiche Eingabemöglichkeiten. Zudem sind Edge-to-edge-Touchoberflächen nahezu ohne Rahmen möglich und diese Technologie ist sehr unempfindlich gegen Falscheingaben durch Sakko-Manschetten, Fliegen usw.
    (Eine Übersicht der unterschiedlichen Touchtechnologien finden Sie hier in unserem Blogbeitrag).

Ultra-Nahdistanz-Projektionen, Signage Displays und IoT

  • So viel sich bei den interaktiven Displays entwickelt hat, so wenig Neues gab es beim Thema interaktive Ultra-Nahdistanz-Projektionen in Bezug auf die Auflösung zu entdecken. Bei einer Bilddiagonale von etwa 100“ kommt man bei vielen Anwendungen mit einer FullHD-Auflösung an visuelle Grenzen, man bedenke bei interaktiven Systemen den geringen Betrachtungsabstand.
  • In Bezug auf die Interaktivität hat HOYLU eine 5,7 m breite PCAP-Folie vorgestellt. Diese war aber offensichtlich noch im Beta-Status und kann aktuell auch nur mit einer Softedge-Projektion umgesetzt werden. Diese kann wiederum nur auf Kosten der Auflösung realisiert werden.
  • Nureva präsentierte PCAP-Projektionsflächen mit einer Größe von 100“, die mit einer Workstation in bis zu vier Bereiche geclustert werden können; allerdings ohne Stifterkennung. Einrichtung und der Betrieb sind wiederum sehr anwenderfreundlich.
  • Coretronic, der eigentliche Innovationsträger für interaktive UST-Projektoren, der u.a. von Nureva, HOYLU, Dell und Optoma eingesetzt wird, war dieses Jahr nicht mit einem eigenen Stand auf der ISE präsent. Er war auf dem Stand von Optoma vertreten, zeigte aber keine Vorschau auf neue Lösungen.
  • Auch im Bereich der Signage-Touch-Displays gab es wenig Neues zu sehen. Zum Teil wies hier auch die Verarbeitungsqualität der gezeigten Lösungen Schwächen auf. So sind bei einigen Herstellern die Abstände zwischen Panel und Schutzglas so groß, dass es zu Parallaxenfehlern bei der Eingabe kommt. Zudem haben die Abstände bei einigen Herstellern das Bild getrübt und Spiegelungen und Schatten wurden sichtbar. Bei höheren Anforderungen muss hier auf Lösungen von einem Veredler wie MMT, Interactive Scape zurückgegriffen werden.
  • IoT: Avocor und Sharp haben ihre Windows Collaboration Displays mit Sensoren ausgestattet. Aber nach unserer Einschätzung sind diese von der Microsoft Azure Cloud abhängig. Der Anschluss an die Raumtechnik muss darüber stattfinden. Und das schafft große Schwierigkeiten in Bezug auf die IT-Sicherheit und den Datenschutz.

Herausforderung: Touch ist nicht gleich Touch

  • Das Thema interaktive Lösungen ist sehr komplex geworden. Besonders für Kollaboration-Anwendungen in Unternehmen kann das große Auswirkungen haben. So ist Touch nicht gleich Touch. Die Unterschiede liegen in den Bedienkonzepten und in der Qualität der Verarbeitung. Das alles kann die Usability stark beeinflussen und sich damit auf die Nutzerakzeptanz auswirken. Hier ist eine genaue Evaluierung unabdingbar.
  • Qualitätsunterschiede in Bezug auf die Haptik und die Usability entstehen durch die Glasätzung und das Optical-Bonding zwischen Panel und Schutzglas. So entscheidet die Glasätzung nicht nur über die Entspiegelung, sondern auch über die Haptik für Fingereingaben. Ist diese zu sticky, können beispielsweise Fingergesten wie Zoom nicht sauber durchgeführt werden. Hier gab es einige Hersteller die definitiv Nachholbedarf haben.
  • Auch das Optical-Bonding wird zum Teil zu nachlässig behandelt. Bei Displays mit Stifterkennung ist Optical-Bonding ein Muss, da ansonsten nicht exakt mit dem Stift gearbeitet werden kann. Die meisten Hersteller haben dies verstanden und wie zum Beispiel Dell beim neuen 75“ 4K mit InGlass-Technologie nachgebessert. Sharp hat zwar ein gutes Bonding in seinen Displays, allerdings hakt es hier noch etwas mit der Ätzung in Bezug auf die Haptik.
  • Die weite Verbreitung der InGlass-Technologie von Flatfrog bringt eigene Herausforderungen mit sich. So erstellt Flatfrog derzeit für jeden Display-Hersteller eine eigene Firmware. Dadurch hat jeder Hersteller sein eigenes Bedienkonzept und nutzt die Möglichkeiten von Stifterkennung, Radierer und Handballen-Interpretation auf unterschiedliche Art und Weise.
  • Das erschwert die Usability und schadet der Nutzerakzeptanz, da Nutzer in ihren Arbeitswelten einheitliche Bedienkonzepte wünschen. Zudem macht das die Auswahl schwieriger, besonders wenn Entscheider in größeren Unternehmen auch standortübergreifend einheitliche Nutzererlebnisse und ein einheitliches User Interface bereitstellen möchten, dabei aber Displays verschiedener Hersteller mischen.
  • Die Evaluierung der richtigen Hardware für Collaboration-Anwendungen mit Finger, und Stifterkennung wird dadurch erschwert.

Empfehlung der macom Experten

  • „Bei der Auswahl neuer interaktiver Systeme sollten diese zunächst in Bezug auf Use-Cases, Applikationen und Content evaluiert werden. Und das unabhängig, ob Sie sich für interaktive Displays oder Ultra-Nahdistanz-Projektionen entscheiden. Bei Signage-Touch-Displays gilt ebenfalls „Content first“. Bei der Planung von Collaboration Spaces sollten Sie die Hard- und Software zudem mit Hinsicht auf die User-Experience evaluieren und eine Proof of Concept durchführen.“
    Simon Badr, AV-Senior Consultant und Experte für Collaboration & Interaction in der macom Gruppe
  • „Erst wenn die Use-Cases und die Nutzeranforderungen vollständig erfasst sind, sollte über die Auswahl der Hard- und Software nachgedacht werden. Sinnvoll ist es zudem, die Technik zu testen. In unserem macomLAB haben wir verschiedene Use-Cases mit verschiedenen interaktiven Systemen und Software-Applikationen nachgestellt. Diese können in Workshops getestet werden. Zudem sind Hard- und Software-Shootouts möglich.“
    Ivonne Kubitza AV-Consultant und Ansprechpartnerin für interaktive Systeme in der macom Gruppe

Visual Collaboration: Hype-Thema der letzten Jahre – doch wie geht es weiter?

Als ein Hype-Thema der vergangenen Jahre hat sich Collaboration auf der diesjährigen ISE deutlich in ruhigere Fahrwasser begeben. Große Meilensteine oder das „next big thing“ gab es nicht zu sehen. Die Software-Hersteller konzentrieren sich stattdessen darauf, ihr Systeme weiter zu verbessen und je nach Use-Case und Produktstrategie um sinnvolle Features zu ergänzen. Einige Software-Anbieter präsentierten passend zu ihren Lösungen auch eigene oder von zertifizierten Partnern angebotene interaktive Displaylösungen. Microsoft war hier mit den neuen Windows Collaboration Displays von Avocor und Sharp vertreten, Google wieder mit seinem eigenen Jamboard und Cisco mit dem Webex Board, dieses Mal auch in der Größe 85‘‘.

Was war neu?
Bei den Weiterentwicklungen der bestehenden Tools konnten wir drei Ansätze feststellen.

  1. Hersteller, die sich auf bestimmte Applikationen und Use-Cases spezialisieren und hier ihre Systeme weiter verbessern. Für eine höhere Usability verzichten sie bewusst auf Features, die für ihre Use-Cases nicht nötig werden. Damit eignen sich diese Systeme auch für User, die weniger mit Collaboration-Applikationen vertraut sind. Ziel ist es, dass jeder User einfach loslegen kann. Werden zusätzliche Funktionen benötigt, können weitere Systeme wie in einem Baukasten ergänzt und über Schnittstellen eingebunden werden.
  2. Andere Anbieter, wie beispielsweise DEON, versuchen möglichst viele Use-Cases abzudecken und implementieren dabei viele Features in ein System. Mit diesem Ansatz richten sie sich eher an Poweruser, die mit den Systemen vertrauter sind. Werden diese Systeme in Workshops eingesetzt, ist ein mit der Technik vertrauter Moderator sinnvoll.
  3. Zudem haben die großen Anbieter aus dem UCC-Bereich ihre Systeme mit immer mehr Collaboration-Features angereichert. Diesen Weg gehen beispielsweise Microsoft mit seiner Office365 UCC-Anwendung MS Teams und auch Cisco mit seinem Webex Teams. Sie haben ihre UC-Systeme mit Applikationen wie Sticky Notes, Whiteboard usw. ergänzt. Auch Google zeigte mit seinem Google Hangout-Meet eine UCC-Lösung mit guten Features für Collaboration. Einzige Voraussetzung ist, dass die Google G Suite genutzt wird.
    Für Standardanwendungen funktionieren die UCC-Systeme der großen Hersteller gut. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich aufgrund ihrer Marktmacht gegen die kleineren Anbieter durchsetzen werden. Für die kleineren wird es auf jeden Fall schwieriger. Eine Strategie wäre, sich mit Nischenlösungen auf bestimmte Use-Cases zu konzentrieren und wo möglich eine Integration in die UCC-Plattformen zu ermöglichen.

Herausforderungen beim Einsatz

  • Für welchen Ansatz sich Anwender auch entscheiden, es gibt weitere Aspekte, die beim Einsatz von Collaboration-Applikationen beachtet werden müssen. So ist zum Beispiel die Kompatibilität zu anderen Systemen, wie UCC-Lösungen, interaktiven Displays oder drahtlos Präsentations-Lösungen, elementar. Die Frage hierbei ist, wie sich diese Systeme sinnvoll kombinieren lassen? Wie sieht die Zusammenarbeit mit der interaktiven Display-Hardware aus? Wie bereits erwähnt, bieten einige Hersteller eigene Hardware-Lösungen an. Die führenden UCC-Plattformen gehen zudem konsequent den Weg, diese über API-Schnittstellen für unterschiedlichste Software-Applikationen zu öffnen. Das verbessert die Interaktion mit diesen Plattformen. Um eine durchgängige Bedienung und maximale Produktivität aus den Collaboration-Applikationen zu gewinnen ist eine durchgängige Strategie empfehlenswert.
  • Bei Unternehmen mit sicherheitsrelevanten Daten spielt auch immer die Frage des Hostings eine Rolle. Während die Anbieter in der Vergangenheit verstärkt auf die Cloud gesetzt haben, gibt es in der Zwischenzeit vermehrt die Möglichkeit, die Applikationen in einer Private-Cloud oder als On-Premise-Produkt auf eigenen Servern zu hosten. Auch bei der Nutzerverwaltung haben viele Anbieter nachgebessert. Das kommt besonders großen Unternehmen zu Gute.
  • Ein wichtiger Punkt bei der Integration ist zudem der Content-Flow. Hier sollte darauf geachtet werden, dass es möglichst keine Content-Brüche gibt. Wenn die relevanten Daten umständlich per USB-Stick vom eigenen Rechner auf z. B. ein Collaborations-Display übertragen werden müssen, dann leiden darunter Usability und Nutzerakzeptanz.

Empfehlungen der macom Experten

  • „Bei der Einführung von Collaborations-Applikationen müssen, mehr als bei anderen medientechnischen Bereichen, die Arbeitsprozesse sowie die Arbeits- und Kommunikationskultur in einem Unternehmen beachtet werden. Wenn beispielsweise Zugriffsrechte zu restriktiv sind oder es keine offene Kommunikationskultur gibt, dann sind viele Lösungen von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Denselben Einfluss haben Vorgaben der Unternehmens-IT. In unserer Beratungstätigkeit haben wir bereits öfters erlebt, dass teure Hardware angeschafft wurde, die nachher nicht oder nur eingeschränkt verwendet werden konnte. Hier ist es wichtig, alle Anforderungen der Stakeholder und Use-Cases zu erfassen und ein rundes und für alle Stakeholder transparentes Bild der gewünschten Zukunft zu schaffen. Dieses stellt die Basis für die Bewertung und Auswahl der richtigen Collaboration-Applikation dar. Besonders in größeren Unternehmen ist zudem eine Kollaborations-Strategie sinnvoll, für die sowohl Technologie- als auch Betriebs-Standards entwickelt werden können. Hier sind auch technische und Usability-Tests der Systeme sinnvoll. Durch diesen Ansatz kann den Nutzern ein umfänglicher Service zur Verfügung gestellt werden, der wirkliche Produktivität schafft und voll in die Arbeitsabläufe aber auch die IT integriert ist. Wir beraten Unternehmen bei der Entwicklung von Strategien und Standards. Zudem können Kunden unterschiedliche Systeme in unserem macomLAB testen und dabei herausfinden, welches System am besten zu den Anforderungen und Prozessen passt.“
    Christian Schweizer, Head of Business Innovation der macom Gruppe

Was waren die interessanten Lösungen auf der ISE 2019? Wir zeigen es Ihnen in unseren Video-Interviews.

Nächste Woche geht es weiter mit unserem zweiten ISE Trends-Blog. Sie wollen immer aktuell über unsere neuen Blogbeiträge informiert sein? Dann folgen sie unseren Social-Media-Kanälen oder melden sie sich jetzt für unseren Newsletter an.

Bis nächste Woche,

Ihr Martin C. Wagner
Marketing Leiter der macom Gruppe

 

Als macom Fachexperten waren für Sie auf der ISE 2019:
Simon Badr, AV-Senior Consultant und Experte für Collaboration & Interaction in der macom Gruppe
Ivonne Kubitza, AV-Consultant und Ansprechpartnerin für interaktive Systeme in der macom Gruppe
Christian Schweizer, Head of Business Innovation der macom Gruppe

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