Wo steht der Digitalpakt Schule? Seit Mitte 2019 stehen fünf Milliarden Euro Fördermittel vom Bund bereit, um die Schulen im Land zu modernisieren und auf den neusten Stand der Technik zu bringen. Einfacher gesagt, als getan. Denn der Digitalpakt Schule birgt für alle Beteiligten Herausforderungen, wie macom Geschäftsführer Siegfried Hermann weiß. Er verantwortet innerhalb der macom unter anderem den Bereich Bildung und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema. Seiner Einladung zum macom Online Event folgten eine große Zahl an Interessierten. Zusammen mit Projektleiter Immanuel Ross gibt er eine Übersicht über die wichtigsten Themen, die bei der Umsetzung der Digitalisierung zu beachten sind. Ein Highlight der virtuellen Veranstaltung war der Gastbeitrag von Tine Tremmel vom Netzwerk Digitale Bildung. Sie gewährt praxisnahe Einblicke in den digitalen Alltag an ihrer Schule. Ein Nachbericht.

Herausforderungen des Digitalpakts im Überblick

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Zum Einstieg zeigt Siegfried Hermann die große Bandbreite der Themen auf, die es zu berücksichtigen gibt. Deutlich wird, dass die Digitalisierung von Schulen und der Lehre ein langfristiges Vorhaben ist. Es beginnt mit der Grundlage für digitales Arbeiten: der technischen Infrastruktur. Ein Internetanschluss mit entsprechender Bandbreite an jeder Schule und Netzwerk und WLAN in allen Klassenzimmern ist die Voraussetzung, bevor es an die konkreten Geräte und die zugehörige Software geht. Diese Wahl hängt wiederrum davon ab, welche Funktionen die Lehrkräfte für eine sinnvolle Unterrichtsgestaltung benötigen. Ohne neue Lehrformate und moderne pädagogische Konzepte lässt sich das Potenzial der Technologien nicht ausschöpfen. Ebenso steht nach der Beschaffung die langfristige Verwaltung und Organisation des Betriebs der Technik an. Ein Aspekt, der häufig vergessen wird. Schulen stehen vor der Herausforderung all diese Themen zu überschauen und in einem Medienentwicklungsplan festzuhalten. Dieser ist für die Beantragung der Gelder aus dem Topf des Digitalpakts Pflicht. Es fehlen an den Schulen jedoch oft die Zeit und auch das Personal, um sich mit der komplexen Thematik ausreichend auseinanderzusetzen. Auch sind noch nicht alle Lehrkräfte fit genug in Sachen Medienkompetenz. Zusätzlich gibt es formale Voraussetzungen und Unterschiede in den verschiedenen Bundesländern bei der Beantragung der Fördersummen.

Die Schulträger müssen die individuellen Anforderungen der einzelnen Schulen nachher verwalten. Sie haben Zugriff auf die Budgets. Einheitliche Konzepte und Standardisierungen können helfen, den Überblick zu bewahren und den nachhaltigen Betrieb zu vereinfachen. Dass Bedarf an Investitionen dringend notwendig sind, zeigt ein Blick in die Praxis.

Kabelsalat, Improvisation und Technik aus der Steinzeit

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Immanuel Ross ist als Projektleiter und Berater bei der macom bereits in Schulen vor Ort unterwegs. Im Moment betreut er unter anderem ein Projekt mit 19 Schulen der Stadt Kempten. Seine Bestandsaufnahme fällt eher nüchtern aus. Es gibt viele Baustellen und Unterschiede zwischen den Schulen.

Internetanschlüsse bieten oft noch schlechte Verbindung oder fehlen gar vollständig. Gerade im ländlichen Raum sind manche Regionen gar nicht erschlossen. Stabile Leitungen mit hoher Download- und Uploadgeschwindigkeit sind aber essentiell, um zum Beispiel Schülerinnen und Schüler über Videokonferenzen am Unterreicht teilnehmen zu lassen.
In den Kellern der Gebäude findet er oft chaotische Serverräume vor. Bei dem Kabelsalat ist es schwierig, die Übersicht zu behalten. Einheitlichkeit bezüglich der verwendeten Technik ist Fehlanzeige. Hinzu kommt, dass die bisherigen Systembetreuer oft wenig Zeit haben, sich ausgiebig um die Probleme zu kümmern oder beim Schulträger schlichtweg zu wenig Personal zu Verfügung steht, um den reibungslosen Betrieb der Anlagen zu gewährleisten.

Auch in den Klassenräumen gibt es Verbesserungsbedarf. Da hängen Kabel ohne Führung quer durch den Raum, Anschlüsse fehlen oder sind veraltet und feste, zweckmäßige Installationen gibt es nicht. Dadurch ist die Technik natürlich anfällig für Defekte. Solche Zustände am Arbeitsplatz würden sofort den Sicherheitsbeauftragten des Unternehmens auf den Plan rufen. In diesem Chaos muss die Lehrkraft dann oft improvisieren. Das kann natürlich auch zum Frust und letztlich zum Technikverzicht führen. Hier und da finden sich noch antiquierte Geräte, die gar nicht mehr genutzt werden können.

Ziel muss es laut Ross sein, die veraltete Technik durch moderne Systeme zu ersetzen und Schulen pro Schulträger auf ein möglichst einheitliches Niveau zu bringen. Die Betriebssicherheit spielt eine entscheidende Rolle. Für Verwaltung, Wartung und Support bedarf es eines klaren Konzepts. Mehr Endgeräte bedeutet auch mehr Arbeitsaufwand. Diese müssen funktionieren und miteinander kompatibel sein. Gute Pflege ermöglicht eine lange Lebensdauer für nachhaltigen Betrieb.

Wichtig ist, dass die Bedienbarkeit und Inhalte am Ende im Vordergrund stehen. Neue didaktische Konzepte, und mediengestützte Unterrichtsformen bieten so viele Möglichkeiten, die Kinder fit für die digitale Welt zu machen. Der Weg dahin ist noch weit. Es gibt jedoch auch schon einige positive Beispiele, wie Tine Tremmel im Gastbeitrag darstellt.

 

 

Wie der Digitalpakt gelingen kann: Perspektiven einer Lehrkraft

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Tine Tremmel vom Netzwerk Digitale Bildung ist Grundschullehrerin, Koordinatorin des Medienkompass Rheinland-Pfalz. In Sachen Digitalisierung hat sie schon einige Erfahrung gesammelt. Ihre Schule hat bereits früh die Umstellung auf digitale Technik begonnen. Vor vielen Jahren stattete sie im Rahmen eines Pilotprojekts des Landes alle acht Klassenräume der kleinen Bildungsstätte mit Smartboards aus. Später kamen iPads für die Schülerinnen und Schüler hinzu, die auch regelmäßig zum Einsatz kommen. Tremmel empfiehlt, über Fördervereine und Stiftungen zusätzliche finanzielle Unterstützung zu suchen.

Mit dem Geld des Digitalpakts rüstete die Schule dann mit interaktiven Whiteboards auf. Diese werden mittlerweile täglich genutzt und haben die altmodischen Kreidetafeln fast vollständig verdrängt. Als nächstes sollen iPads für Lehrer folgen. Aus ihrer Erfahrung dauerte die Beschaffung der Geräte ein halbes Jahr ab dem Zeitpunkt der Einreichung.

In ihrem Vortrag stellt Tine Tremmel drei Bereiche für die gelingende Digitalisierung vor: Technologie-, Unterrichts- und Personalentwicklung mit entsprechendem Ausstattungs-, Medienbildungs-, und Fortbildungskonzept. Alle drei sind essentiell für Erstellung des Medienentwicklungsplans.

Ein Tipp lautet, nicht alles auf einmal angehen zu wollen. Für sie ist klar: Digitalisierung ist ein langer, fortwährender Prozess. In ihrer Schule ist ein Team für die Steuerung des Prozesses verantwortlich. Das Vorgehen nach einzelnen Fachbereichen, erleichtert die Bedarfsanalyse und die Dokumentation für die Bestandsaufnahme. Wichtig ist, ein klares Ziel zu definieren. Erst Konzept, dann Technik. Sonst kann es schon mal passieren, dass beim Laden der Devices die Sicherungen rausfliegen, die Internetverbindung stockt oder nicht genug Lagerplatz für die Geräte da ist. Mit einem Mobile Device Management Tool organisiert Tine Tremmel die grundliegende Instandhaltung der Geräte und die Verteilung für die Klassen.

Besonders betont sie die Bedeutung von regelmäßigen Fortbildungen für das Lehrpersonal. Damit könne man zeitnah im Vorfeld beginnen, um nachher direkt loslegen zu können. Alle sollen sich wohlfühlen. Dafür rät sie, das ganzes Kollegium miteinzubeziehen und auch den Erfahrungsaustausch intern und mit anderen Schulen zu fördern.

Externe Unterstützung beim Digitalpakt förderbar

Als kompetentes und unabhängiges Beratungs- und Planungsunternehmen mit umfangreicher Projekterfahrung kann macom Schulträger bundesweit Schritt für Schritt bei der Umsetzung des Digitalpakts begleiten. Schulen können dafür auch direkt Kontakt aufnehmen. Von der Beratung zur Ausstattung bis zu Installation und Betrieb deckt macom alle relevanten Bereiche ab. Auch bei formalen Fragen zur Finanzierung, Antragstellung und zur öffentlichen Vergabe hilft macom weiter.

In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen analysiert macom den Stand und die Bedarfe vor Ort. In Workshops mit Lehrkräften wird ermittelt, welche Anschaffungen für welche Anwendungszwecke nötig sind. Daraus leiten sich technische Konzepte ab. macom übernimmt die Koordination der Fachplanung von der Ausschreibung bis zur Installation. Strukturierte Betriebskonzepte, inklusive Weiterbildungen für Lehrkräfte, sorgen für reibungslose Abläufe. Damit dem Unterricht im digitalen Klassenzimmer nichts mehr im Weg steht.

 

 

Autor: Felix Niedrich, Redakteur macom GmbH

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